Fußlümmelei: Tempelhof, Wiege des Deutschen Fußballs

Ja klar, das klingt berlinerisch unbescheiden! Aber Berlin ist auf jedem Zentimeter so prall mit Geschichte angefüllt, nein überfüllt, dass natürlich untergegangen ist, wie das Tempelhofer Feld erste (Versuchs-) Flächen für den Fußball in Deutschland bot. Vielleicht auch, weil Tempelhof erst seit 1920 zu Berlin gehört. Von der zunächst geschmähten „Fußlümmelei“ erfolgte auf dem Tempelhofer Feld der Impuls zum Volkssport.

„Am 29. April 1905 ist Kronprinz Wilhelm von Preußen bei der Partie zwischen BFC Germania 1888 und Civil Service London zu Gast auf dem Germania-Sportplatz am südlichen Rand des Tempelhofer Feldes. Der Thronfolger zeigt bereits seit längerem Interesse am Sport und ist begeistert. Der erste Besuch eines Mitglieds der kaiserlichen Familie bei einem Fußballspiel sorgt für große öffentliche Aufmerksamkeit und zieht eine breite gesellschaftliche Anerkennung des Mannschaftssports nach sich. Wilhelm von Preußen stiftet in verschiedenen Sportarten Pokale und verspricht sich davon das Ansehen einer modernen Monarchie. Der Kronprinzenpokal wird im Fußball ab 1908 von Länder-Auswahlmannschaften ausgespielt und ist neben der Meisterschaft lange Zeit der wichtigste Wettbewerb im deutschen Fußball. Sein Engagement bedeutet einen enormen Aufschwung für den Sport in Deutschland, da sich in der Folge auch das Militär für Fußball interessiert und das Spiel in die Grundausbildung der Rekruten aufnimmt, wo es große Verbreitung findet.“ Fußball Route Berlin

Der älteste noch existierende Fußballverein Deutschlands, der BFC Germania 1888, in der Kreuzbergstr. gegründet, bestritt auf dem Tempelhofer Feld die ersten Spiele. Nachdem ab etwa 1870 an verschiedenen Orten in Deutschland erste Fußball-Mannschaften entstanden waren, verlief die weitere Entwicklung zunächst langsam und sporadisch. Erst als um das Jahr 1890 vor allem in Berlin ein regelrechter Gründungs-Boom einsetzt, ermöglichen die zunehmend stabilen Vereine einen regelmäßigen Wettspielbetrieb. Anfänglich existierten auf dem Tempelhofer Feld keine festen Sportanlagen, sondern es wurden auf den großen Freiflächen nach Belieben Spielfelder markiert. Für 1912 sind 32 Spielfelder bekannt, die in der Sommerpause per Los verteilt wurden. 1924 wurde an der Ostseite des Tempelhofer Damms ein Sportplatz errichtet, der vom BFC Preussen genutzt wurde. Er bot bis zu 40.000 Zuschauern Platz und war seinerzeit eine der wichtigsten Berliner Fußball-Spielstätten.

Und die Tempelhofer vom Berliner Thorball- und Fußball-Club Viktoria von 1889 (BTuFC Viktoria 89) dominierten die Anfangszeit im Gründungsboom und wurde dreimal(!) Deutscher Meister: 1894 (inoffiziell), 1908 und 1911. Ein Tempelhofer Verein dreimal Deutscher Fußballmeister ? Natürlich will ich an dieser Stelle unbedingt erwähnen, dass mein Vater mich Anfang der Siebziger bei der C-Jugend von Viktoria 89 angemeldet hat, – erinnere mich an abgetragene, hellblaue Baumwoll-Trikots, die von den Müttern gewaschen und repariert wurden. Damals hat uns die Meisterschaften keiner vermittelt, – hätte mich zusätzlich motiviert, das Spiel hat mich aber ohnehin nie losgelassen : -)

 

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